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2. Deutschsprachiges Jugendforum
Position:   Pinnwand > Jugendforum 2010 > Workshop-Dokumentation > Vormittag, 4. November 2010

Teilhabe im Quartier - Jugendbeteiligung in Stadtplanung und -entwicklung

Leitung: Steffen Präger (Vorstandsvorsitzender d. Plattform e.V.)

Die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an Entscheidungs- und Planungsprozessen im Rahmen städtischer Entwicklungsstrategien erscheint - nicht zuletzt aufgrund des demografischen Wandels in Europa sowie der Integrationsherausforderung von MigrantInnen - als ein immer wichtigeres Handlungsziel von Kommunen. Dabei ist festzustellen, dass klassische Beteiligungsmethoden (Planungszellen, Zukunftswerkstätten u.a.m.) nicht zwangsläufig den Vorstellungen und Bedürfnissen dieser speziellen Zielgruppe entsprechen. So benötigen klassische Planungsprozesse derart lange Zeiträume, dass die Aktivierungseffekte eingesetzter Beteiligungsmethoden Gefahr laufen, völlig an der konsultierten Generation vorbeizugehen.

  • Das konkrete Interesse junger Menschen schlägt sich vor allem und in erster Linie auf der kleinsten Ebene, also zum Beispiel dem Stadtviertel, der Nachbarschaft oder auch dem Dorf nieder.
  • Planungsprozesse in der Stadtentwicklung bedürfen sehr langer Zeiträume. Konkrete Realisierungen finden häufig dann erst statt, wenn die beteiligten Jugendlichen schon lange nicht mehr Jugendlich sind bzw. nicht mehr im Stadtteil leben.
  • Jugendliche haben den Wunsch ihre Beteiligung in konkreten und zeitnahen Projekten, Aktionen und Produkten wieder zu finden.

Ergebnisse & Erkenntnisse:

  • Jugendliche haben ein großes Interesse an Räumen (indoor/outdoor) in denen sie sich selbst verwirklichen, produzieren und darstellen können.
  • Besonderes Interesse besteht dabei an öffentlichen Räumen – Plätze, Ladenlokale, Parks u.a.m.
  • Den Planern sei gesagt, dass es die Jugendlichen sind, welche sich ihren Ort aussuchen. Eine intensive Analysearbeit in Hinblick auf Gruppenzusammensetzung, Motivation und Nutzungsschemata ist hierbei notwendig.
  • Jugendliche benötigen auch für die aktionsorientierte Beteiligung reale Anlaufpunkte, wie Jugendzentren, Bürgerbüros oder Ladenlokalen.
  • Jugendbeteiligung muss auf der persönlichen Involviertheit (involvement) basieren.
     

Spannende Diskussionspunkte & weiterführende Fragen:

  • Möchte man Jugendliche nachhaltig an Planungsprozessen in der Stadtentwicklung beteiligen, ist eine ressortübergreifende Kommunikation sowohl innerhalb einer lokalen Verwaltung als auch zwischen Administration und den Akteuren in der Jugendarbeit notwendig.
  • Eine große Herausforderung stellt der Bedarf/Wunsch junger Menschen nach Freiflächen (Plätze und Räume) und deren Fehlen in eben jenen expansiven Städten ohne solche freien Flächen dar.
  • Jugendbeteiligung in die Stadtentwicklung und –planung zu integrieren, bedeutet einen komplexen und ressourcenintensiven Prozess zum Teil unabhängig der Größe einer Kommune zu realisieren. Hier drängt sich dann aber auch die Frage nach der Verhältnismäßigkeit kleiner Städte und großer Vorhaben und damit auch deren Chance auf Bewilligung/Förderung/Erfolg auf.
  • Besonders kritisch wurde der Aspekt der Nachhaltigkeit in Hinblick auf aktionsorientierte Beteiligung diskutiert. Auch wenn junge Menschen hier Selbstwirksamkeit unmittelbar erfahren, bleibt die Frage offen, was nach einem (temporär begrenzte/n) Projekt oder einer Aktion bleibt und damit auch wie planungsrelevant diese eigentlich sind und waren

Tipps & Links zum Thema:

  • mitWirkung! eine Initiative zur Stärkung der Kinder- und Jugendbeteiligung der Bertelsmann Stiftung. Online verfügbar hier (Letzter Zugriff: 14.11.2010)
  • Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS): Freiräume für Kinder und Jugendliche. Gutachten im Rahmen des Nationalen Aktionsplanes „ Für ein kindergerechtes Deutschland 2005 – 2010“ (2010) Werkstatt: Praxis. Heft 70.
  • Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Forschungsfeld „Jugendliche im Stadtquartier“. Online verfügbar hier(Letzter Zugriff: 14.11.2010) 
  • Präger, Steffen; Schmitz, Frank: Erfolgsfaktoren und Stolpersteine von partizipation am Beispiel von Jugendinitiativen. (Wird hoffentlich in 2011 in einer Publikation des Deutschen Jugendinstituts und Jugend für Europa veröffentlicht)