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2. Deutschsprachiges Jugendforum
Position:   Pinnwand > Jugendforum 2010 > Workshop-Dokumentation > Vormittag, 4. November 2010

Von der Kunst mehrere Brillen gleichzeitig aufzusetzen - Diversitätsbewusste Reflexionen rund um eine internationale Begegnung

Leitung: Anne Sophie Winkelmann (Trainerin)

Im Workshop wurde mit den Teilnehmenden eine spezifische Variante der Methode ‚Identitätsmolekül’ durchgeführt, die einerseits einen Einstieg in das Thema ausgehend von den Selbstverständnissen und Erfahrungen der Teilnehmenden ermöglichte, als auch in einem zweiten Schritt die Basis darstellte für die Entwicklung zentrale Aspekte des diversitätsbewussten Ansatzes.

Der diversitätsbewusste Ansatz kann dabei als eine Weiterentwicklung des interkulturellen Ansatzes verstanden werden, der sich bemüht, Lernprozesse zu ermöglichen, die weit über das Verstehen (und damit leider oft auch ‚Feststellen’) von kultureller Differenz hinausgeht und verschiedene Differenzen, Hintergründe und Zugehörigkeiten der Beteiligten in den Blick nimmt. Gleichzeitig ist es ein gesellschaftskritischer Ansatz, der Differenz eingebettet in die herrschenden Machtverhältnisse thematisiert und sich gegen Diskriminierung jeder Art wendet.

Ergebnisse & Erkenntnisse:

Die Erfahrungen der Teilnehmenden während der Übung machten deutlich, dass es nicht nur um die Erweiterung der Kategorien geht, die für die Auseinandersetzung mit Differenz(erfahrung)en und Ungleichheit in den Blick genommen werden müssen, sondern insbesondere auch um die Art und Weise wie mit diesen Kategorien gearbeitet wird.
Das Unwohlsein, dass die Teilnehmen gespürt haben als sie hinsichtlich bestimmter Kategorien aufstehen sollten ohne zu sprechen, weist auf die Notwendigkeit hin, Zuschreibungen und Kulturalisierungen, die für die ‚Kategorisierten’ keinen Platz lassen sich selbst zu positionieren und zu erklären, kritisch zu thematisieren.
Ein zentraler Aspekt der diversitätsbewussten Haltung ist es, den Einzelnen selbst die Entscheidung zu überlassen, welche Zugehörigkeiten in welcher Weise in einem konkreten Kontext für sie relevant werden. Dabei ist davon auszugehen, dass immer mehrere Zugehörigkeiten/Kategorien gleichzeitig eine Rolle spielen. Die Betrachtung der gemeinsam gesammelten Zugehörigkeiten machte auch noch einmal deutlich, dass sich die diversitätsbewusste Arbeit ganz klar von einem Verständnis von Vielfalt abwendet, welches ein lustige bunte Mischung von Menschen suggeriert, die ‚alle anders – alle gleich’ sind. Es geht vielmehr darum, Diversität als etwas zu verstehen, womit auch unterschiedlichen Erfahrungen in der Gesellschaft einhergehen. In diesem Sinne ist der diversitätsbewusste Ansatz untrennbar mit einer Perspektive der Antidiskriminierung verbunden.

Spannende Diskussionspunkte & weiterführende Fragen:

Zusätzlich zu den oben genannten Themen wurde in der abschließenden Diskussion auf die Macht von Sprache hingewiesen und eine Achtsamkeit im Umgang mit Begriffen für wichtig erachtet. Gleichzeitig wurde aber auch angemahnt, nicht beim Reden stehen zu bleiben, sondern gegen Diskriminierungen auch zu handeln. Eine wichtige Voraussetzung dafür wurde von einigen darin gesehen, sich die eigenen Privilegien bewusst zu machen.
Für den Umgang miteinander wurde betont, wie wichtig es ist, für sich selbst (das eigene Unwohlsein und die eigenen Grenzen) Verantwortung zu übernehmen. Damit dies möglich wird, braucht es Achtsamkeit und Nachfragen seitens der Anderen. Überhaupt einen Raum dafür. Das Eröffnen von neuen Räumen ist für uns überhaupt ein geeignetes Bild für die diversitätsbewusste Arbeit.

Fotodokumentation

Bild 1: Sammlung der Zugehörigkeiten zum Download hier (Jpg.-Datei,1,2 MB)

Bild 2: Unterschiede der Zugehörigkeiten zum Download hier (Jpg.-Datei, 1,1 MB)

Bild 3: Zentrale Aspekte der Diversität zum Download hier (Jpg.-Datei, 1,1 MB)

Literaturliste zum Download hier (PDF-File, ca. 250 KB)